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ADIVA 2012
Es regnet, ich schalte den Scheibenwischer an und denke: Mist. Jetzt werd'
ich für die letzten Meter zum Büro den Regenschirm aus dem Kofferraum holen.
Das muss keine ungewöhnliche Überlegung zu dieser Jahreszeit sein - wäre da
nicht die Tatsache, dass ich nicht in einer Limousine, sondern auf einem
Roller unterwegs bin. Auf einem Roller kreisen die Gedanken meist um den
Ärger mit dem Wetter nach dem Motto: "Warum muss das gerade jetzt sein?" Nur
eine dicke Goretex-Jacke oder eine wasserdichte Gummi-Pelerine schützen
gegen die Zumutungen der Natur.
Doch nicht auf diesem Vehikel. Der Adiva AD hat ein Dach, eine ausladende Verkleidung und seitliche Abweiser, die vor Wind und Wetter beschirmen, ausserdem einen Scheibenwischer mit Waschanlage sowie ein zweistufiges Gebläse gegen das Beschlagen der Windschutzscheiben. Dermassen rundum versorgt, kann ich auf die klassische Moped-Montur verzichten. Eine windfeste Jacke und leichte Handschuhe, dazu der vorgeschriebene Helm tun es auch. In Italien trägt man zum Roller auch gerne Anzug und Sonnenbrille. Unabhängig vom Outfit schauen die übrigen Verkehrsteilnehmer ziemlich verdutzt, wenn ihnen der Adiva entgegenkommt. Dabei ist die Idee des Dachrollers nicht so neu - vor sieben Jahren brachte BMW das rollende Sicherheits-Ei unter dem Kürzel C1 auf den Markt, das mit Überrollkäfig, Sicherheitsgurten und ABS sogar die Helmpflicht umging. Doch das Konzepts hatte Schwächen: Auf dem Solositz zog es sehr stark, die Bewegungsfreiheit war gleich Null. Beifahrer konnten nur entgegen der Fahrtrichtung auf einem Notsitz Platz nehmen - und dann war auch kein Stauraum mehr drin. Derart praxisfremd konzipiert ging das Projekt schneller den Bach runter als die Bayern die Produktion einstellen konnten. Schon damals gab es einen Adiva-Roller, hergestellt von seinem Erfinder Nicola Pozio für die Firma Benelli. Doch seit die Chinesen von Qianjiang seit 2005 bei Benelli das Sagen haben, fertigt und vertreibt der Selfmademan seine Konstruktionen selbst und unter seinem Markennamen Adiva. Der Adiva AD kennt der mit grossen 14-Zoll-Rädern keine Stabilitätsprobleme. Seine Federung bietet komfortables Vorankommen. Selbst bei Langsamfahrt lässt sich der Adiva zielgenau manövrieren, von Kippeligkeit kann trotz des hohen Schwerpunkts keine Rede sein. Bei der Fahrdynamik steht der Adiva den meisten anderen Rollern in nichts nach. Überaus positiv: Für den Adiva findet man ohne zeitraubende Suche immer das richtige Parkplätzchen in überfüllten Innenstädten. Beim Komfort macht dem Adiva so schnell keiner etwas vor. Ausreichende Kopffreiheit ist selbst für grössere Fahrer vorhanden. Auch hinten wird man komfortabel an die grosse Rückenlehne gebettet. Noch weiter hinten findet sich ein ordentlicher Kofferraum mit ansehnlichem Volumen, in dem der Wochenendeinkauf zu verstauen ist. Im Sommer dürfte dem Fach einiges an Ladekapazität verloren gehen: Als Clou lässt sich das Dach vorn lösen, zusammenfalten und im Gepäckabteil versenken. Weil die Kunststoffteile wie der Rest des Rollers solide verarbeitet sind, gibt's im Dachroller echtes Cabrio-Feeling.
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